Tanmatra: Grundelemente für die Sinneswahrnehmung
Im Shakta Tantra geht man davon aus, dass es gewisse Kräfte bzw. fünf Bewegungen (fünf bhutas bzw. fünf mahabhuta) gibt, die dichte Materie hervorbringen und doch letzten Endes auf Akasha zurückführbar sind. Akasha ist eine der Hauptkräfte, die sich aus der Praktiki-Shakti herleitet.
Wie ich bereits ausgeführt habe, betrachtet man die Bhutas (Sinnesobjekte) als Kräfte, die durch Bahyakarana (das physische Ohr, die physische Haut, das physische Auge, …) für die Indriyas (Sinnesorgane) erkennbar sind.
Im Prapanchasara Tantra steht folgendes: Prithivi (das Erdige) findet sich in den Nasenlöchern, Apas (Wasser) ist in der Zunge, Tejas (Feuer) ist im Auge, Vayu (Luft) ist in der Haut und Akasha (Raum-Zeit, Äther) ist in den Ohren. Diese fünf Mahabhutas sind folgende:
Mahabhuta
- Prithivi (Sanskrit: पृथिवी- wörtlich: Erde)
- Apas (Sanskrit: अप्- wörtlich: Wasser)
- Tejas (Sanskrit: तेजस्- wörtlich: Feuerflamme; Glut)
- Vayu (Sanskrit: वायु wörtlich: Vayu)
- Akasha (Sanskrit: आकाश wörtlich: Raum; Himmel)
Diese Mahabhuta entfalten sich aus Tanmatra-Einheit, die übersinnliche Herkunft sind. Da Mahabhuta vom Tanmatra abgeleitet werden, haben keine Beziehung zu den sogenannten Elemente und sind somit keine Elemente.
Wenn wir Tamas als Masse und Rajas als Energie betrachten, dann tritt die Tanmatra-Einheit als Tamas in Erscheinung und lädt sich durch Rajas auf. Das Endeffekt ist, dass ein jedes Bhuta gröber ausfällt als das ihm vorausgehende, bis schließlich das Erdige erreicht ist.
Tanmatra sind Qualitäten in abstraktem Sinne, weil die Indriyas ihre Abwandlungen nur in ganz bestimmten Objekten perzipieren.
Eine kurze Übung:
Sie benötigen dafür ein gelbes Papier-Quadrat (12 Fingerbereit). Das gelbe Quadrat repräsentiert hier das erdige Element (Prithivi). Nun setzen Sie sich davor. Das Papier-Quadrat sollte etwas tiefer als Augenhöhe sein, so dass Sie leicht schräg nach unten auf das Papier-Quadrat schauen können. Fixieren Sie das Papier-Quadrat mit den Augen. Verharren Sie so ca. 30 – 60 Sekunden. Wenn Gedanken auftauchen, lassen Sie sich nicht einfangen und schenken diesen keine grosse Beachtung, sondern bleiben Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit zum Papier-Quadrat. Atmen Sie langsam und tief durch die Nase ein und aus, während Sie auf das Papier-Quadratt schauen. Schliessen Sie danach Ihre Augen, und halten Sie sie 30 Sekunden lang geschlossen. Visualisieren Sie das Bild (Papaier-Quadrat) vor Ihrem geistigen Auge. Beenden Sie die Übung, indem Sie die Augen öffnen und tief durchatmen.
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