Manas: Sinnesgebundenes Denken

Posted by Kurosh - 3. November 1996
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Eine Art, mit Tantra Begriffen umzugehen, vergleiche ich mit dem Versenken eines Samenkorns in die Erde und dem daraus folgenden Wachstum der Pflanze. Begriffe und Vorstellungen kann man in dem Denkorgan (antahkarana) bewegen, auch dann, wenn es nicht darauf ankommt, was sie von der Außenwelt abbilden. Sie entfalten in der Sadhana (Übung) dann eine eigene Kraft (shakti). Man erlebt diese Kraft als Tätigkeit des eigenen Denkorgans.

Wie bereits erwähnt, beeindrucken die Sinnesobjekte (bhuta) unsere Sinnesorgane (indriya). Diese werden vom Manas (Sanskrit: मनस् [manas] – wörtlich: Gedanke; Verstand) erkannt. Manas also ist ein Denkstoff bzw. die Funktion des Denkorgans. Wenn also ein Gegenstand (artha) unsere Sinnesorgane (indriya) berührt und die Funktion des Denkorgans, die Manas genannt wird und hierbei beteiligt ist, dann entsteht im Denkorgan (antahkarana) eine Veränderung (Vrtti) seiner Substanz, die ein genaues Gegenbild des äußeren Gegenstandes ist. Das Denkorgan (antahkarana) ändert sich immer wieder, da es Empfindungen unterworfen ist. Das ist das grundlegende Prinzip, auf dem alle Tantra Sadhana beruht.

Man kann Manas als das Organ der nach innen oder außen gerichteten Wahrnehmung bezeichnen. Das, was man wahrnimmt, nimmt Manas als wahr an, es macht seine Wirklichkeit aus. Im allgemeinen sagt man einfach, Manas (die Funktion des Denkorgans; sinnesgebundenes Denken)ist das Tattwa (Element) des Ajna Chakra. Daher gibt es im manchen Tantras ein sechsblättriges Lotos, das Manas Chakra, über dem Ajna Chakra. Auf Blüttenblätter des Manas Chakras lokasiert man die Empfindungen des Hörens, Berührens, Sehens, Schmekens und Riechens. Ohne die Mithilfe und die Aufmerksamkeit des Manas sind die Indriyas außerstande, ihre Aufgaben zu erfüllen. Das Manas ist sowohl beim Erkennen als auch beim Handeln mitbeteiligt.

Ein Artha ist das Objekt, das den Inhalt des Denkorgans (antahkarana) ausmacht. Artha ist immer das “andere“ was Denkorgan (antahkarana) wahrnimmt. Der Gegenstand ist so vielfältig wie die verschiedenen Formen (Rupa), die das Weltall bilden. Diese Formen bestehen aus den fünf Mahabbhutas (tattwas). Ebenso wie das Denkorgan (antahkarana) eine Form der Bewegung (spanda) ist, so sind die Mahabhutas (tattwas) die Bewegungsformen derselben Prakriti (Sanskrit: प्रकृत्ति [prakRtti] – wörtlich: Nature).

Antahkaranas (innere Werkzeuge) (Sanskrit: अन्तःकरण [antaHkaraNa] – wörtlich: inneres Werkzeug; Herz; Denkorgan) sind:

  1. Buddhi (Sanskrit: बुद्धि [buddhi] – wörtlich: höchste Intelligenz; Intuition)
  2. Ahamkara (Sanskrit: अहंकार [ahaMkaara] – wörtlich: Ich-Prinzip; Selbsteinbildung)
  3. Chitta (Sanskrit: चित्त [chitta] – wörtlich: Errinerung; Intension)
  4. Manas (Sanskrit: मनस् [manas] – wörtlich: Verstand; Gedanke)

Eine kurze Übung:

Der ganze Weltraum und die Gesamtheit der darin existierenden materiellen Dinge wird als Weltall von Subjekt und Objekt bzw. Denkorgan und Materie betrachtet. Diese Betrachtung stellt eine Bewegung im Denkorgan dar. Dies wird als die erste Schwingung (spandana), in der Energie freigelassen wird, bezeichnet. Der ungefähre Laut dieser Bewegung ist das Mantra OM (Sanskrit: औम् [aum] – wörtlich: ursprünglicher Klang; amen). So entsteht die Zweiheit mit allen ihren Unterscheidungen. Das Bewusstsein wird in Materie und Denkorgan geteilt. Mit dieser Vorstellung beginnen Sie langsam und tief durch die Nase einzuatmen, zuerst in den Bauch, dann in den Brustkorb. Wenn Sie in den Lungen Druck verspüren, atmen Sie durch die Nase ganz langsam und tief aus; zuerst aus dem Brustkorb, dann aus dem Bauch, während Sie durch die Nasenlöcher OM ertönen lassen. Diese OM-Oszillation sollte zu Schwingungen in den Kopf führen. Wiederholen Sie diese Sadhana (Übung) 3 bis 7 Mal.

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