Überblick
Eine kleine Abhandlung über Hathayoga

Der Hathayoga umfasst alle Sadhanas und Praxismethoden, die sich mit dem physisch-groben Körper (stuhla sharira) beschäftigen. Da dieser mit dem überphysischen Körper, dem Energiekörper (sukshma sharira), in Zusammenhang steht und seine äußere Hülle bildet, beeinflusst die Zügelung des stofflich-groben Körpers auch den Energiekörper und seine Denktätigkeit.
Im Hathayoga übt man die Kontemplation auf das Licht, und den Samadhi (mahabodha), erreicht man hier vermittels Atemzügelung und unter Zuhilfenahme der anderen Pranayamas, durch die man dann den Geist zugleich mitbeherrscht.
Das Wort Hatha setzt sich aus den Silben ha und tha zusammen, das heißt “Sonne” und “Mond” - Prana Vayu und Apana Vayu . Im Shatchakranirupana heißt es, der Prana zieht den Apana an, und der Apana zieht den Prana an, wie ein angeseilter Falke vom Haltestrick, wenn er davonfliegen will, wieder zurückgezogen wird.
Eine kleine Abhandlung über Laya Yoga

Der nun folgende Rückblick bringt nur eine kurze Zusammenfassung. Dieser Yoga wird aus einem zweifachen Grunde tantrisch genannt. Man kann ihn in den auf die Zentren oder Chakras hinweisenden Yoga-Upanischaden wie auch in einigen Puranas erwähnt finden. Die Abhandlungen über Hatha-Yoga befassen sich ebenfalls mit diesem Thema.
Ähnliche Begriffe finden wir sogar in anderen außerindischen Systemen, doch sind sie, zumindest in einigen Fällen, wahrscheinlich indischen Ursprungs. So finden wir beispielsweise im Risaleye haq numa des prinzen Muhammed Dara Shikoh eine Beschreibung der drei folgenden Zentren: Mother of Brain, das Himmliche Herz (dele muddawar); das Zedern-Herz (dele sanowbari); und dele niloofari, das Lilien-Herz.
Weitere Belege kann man in den Werken der mohammedanischen Sufis finden. So hätten, einige sufische Bruderschaften (wie die Naqshbhandi) die Kundalinimethode als Mittel und Weg zur Verwirklichung erdacht oder sie, besser gesagt, von indischen Yogis entlehnt. Zum zweiten ist dieser Yoga wegen der Einwirkung auf das unterste Zentrum charakteristisch für das tantrische System.
Laya-Yoga ist der Yoga, der von Kundalini Shakti und von den sechs Chakren (shat chakra) handelt. Kundalini-Shakti repräsentiert die Göttin (devi) Kundalini. Kundala heißt ZUSAMMENGEROLT. Devi, die Göttin, nennt man Bhu-Jangi (Schlange), weil im untersten Chakra (Muladhara) rund um das Lingam gewickelt liegt. Diese Kraft befindet sich hier im Körper im Ruhezustand.
Jede Tätigkeit hat einen statischen Hintergrund. Shiva repräsentiert den statischen Aspekt, Shakti den Dynamischen Aspekt der Einen Wirklichen. Die beide sind, wenn sie in sich selbst sind, eines. Alles ist das Reale, das Veränderliche wie das Unveränderliche. Die Maya gilt in diesem System nicht als Illusion, sondern repräsentiert die Form des Formlosen.
Die Welt ist ihre Form, und darum sind diese Formen Wirklichkeit. Der Mensch ist also, was sein innerstes Wesen anbetrifft, Shiva also reines Bewusstsein. Der Mensch ist als Seele und Körper, Shakti also die Weltmutter. Er ist somit Shiva-Shakti. Das Wort Shakti bezeichnet KRAFT und stammt von der Wurzel Shak (Kraft haben, fähig sein) ab.
Shakti ist Shiva in seinem aktiven Aspekt. Mit Hilfe dieser Kraft und durch diese Kraft wird nämlich Kundalini-Shakti vollzogen. Wenn man diese verwirklicht, verschmilzt die individuelle Shakti also Kundali mit der großen kosmischen Shakti also Maha-Kundali, und diese verschmilzt wieder mit Shiva. Das einheitliche Bewusstsein hat sich aus Gründen der Schöpfung in einen statischen (Shiva-) und einen Dynamischen (Shakti-) Aspekt polarisiert. Dieser Yoga nun ist die Aufhebung dieser Dualität.
Eine kleine Abhandlung über Mantra Yoga.

Das höchste Ziel des Mantra Yoga ist, wie immer beim Yoga, die Verwirklichung der wahren Natur, der Einheit mit dem Unendlichen. Mantra Yoga gilt als einer der machtvollsten, einfachsten, sichersten und schnellsten Wege zu dieser Selbstverwirklichung.
In Indien ist es der mysteriöseste Aspekt des Yoga, der zumeist nur mündlich von Lehrer/in auf Schüler/in weitergegeben wurde und wird.
In Theorie und Praxis bekommst man als ernsthafte/r Yoga-Aspirant/in wertvolle Hinweise zum Gebrauch der Mantras. Man erhältt detaillierte Hinweise für Mantra-Rezitation, Mantra-Meditation, Mantra-Schreiben, Mantra-Singen und die Wiederholung von Mantras im täglichen Leben.
Sadhaka erfährt sehr viel über die spezielle Wirkungsweise und die richtige Verwendung der einzelnen Mantras. Es ist besser, bei einem Mantra zu bleiben. Regelmäßigkeit in der Japa-Praxis ist äußerst wichtig. Sadhaka bekommt ein Mantra von seinem Guru, und wiederholt es 108 bis 1080 Mal täglich, das entspricht ein bis zehn Malas.
Im Mantrayoga-Samadhi erreicht man den Mahabhava-Zustand, der sich durch Unbeweglichkeit und Sprechunfähigkeit kennzeichnet.
Eine kleine Abhandlung in Raja Yoga

Die letzte, höchste und schwierigste Yogaform ist der Raja Yoga. Mittels Mantra-, Hatha- und Laya-Yoga qualifiziert sich der Praktiker durch das stufenweise Aneignen der Reinheit allmählich für den Savikalpa Samadhi.
Nirvikalpa Samadhi (die unterschiedslose Versenkung) kann man nämlich nur durch Raja Yoga gewinnen. Die ersterwähnte Samadhi-Form ist ein Ekstasezustand, aus dem man, wenn man ihn, die zweite Form nicht vollendet, in die Welt und ihre Erfahrung wieder zurückkehrt. Das ist nicht so im Raja Yoga Samadhi.
Hier findet sich keine Spur von Weltverhaltung, hie gibt es darum auch kein Zurück zur Welt, denn hier herrscht ewige Einheit mit dem Einen. Die ersten drei Yogaarten ebnen den Weg für die vierte.
Der Rajayoga-Samadhi ist die vollendete (chit-svarupa-bhava) und endgültige (nirvikalpa) Erlösung. Man unterscheide, heißt es, vier Stufen der Weltablösung (vairagya), den vier Yogas entsprechend, wobei die leichteste Vairagya-Form das Gepräge des ersten, des Mantra Yoga, und die größte Ablösungsstufe das Gepräge des höchsten, des Raja Yoga, trage.
Ein anderes Unterscheidungsmerkmal ist die dem Geistessektor zuzusprechende Prominenz. Jeder Yoga beschäftigt sich bekanntlich mit geistigen Übungen, doch besonders trifft das auf den Raja Yoga zu, den man auch als das Unterscheidenkönnen des Wirklichen vom Nichtwirklichen — d.h. des Unbegrenzten-Dauernden vom Begrenzten-Vergänglichen — bezeichnet hat, wo man also unter Zuhilfenahme der Upanischaden und der anerkannten Philosophiesysteme entsprechende Schlussfolgerungen zieht.
Raja Yoga umfasst sechzehn Unterabschnitte. Man kennt sieben Sorten Vichara (Schlussfolgern, Erwägen, Einsichtnehmen) auf sieben Erkenntnisebenen (bhumika): Jnanada, Sannyasada, Yogada, Lilonmukti, Satpada, Anandapada und Paratpara.
Eine kleine Abhandlung über Hindu Tantra.

Es gibt eine allgemeine indische Religion (Bharata-Dharma) also eine arische Religion (Arya-Dharma), der alle Arier – die Brahmanen, Buddhisten, Jainisten zugehören. Nach dem Bharata-Dharma, ist die Welt eine Ordnung. Dharma ist die Weltordnung, der die Welt erhält(dharyata). Dharma ist kein Gesetz, das von außen durch einen himmlichen Herrscher auferlegt wird, sondern ist die Natur der Dinge. So bedeutet Religion – dem Wortsinn nach: das was verpflichtet oder zusammenbindet – grundsätzlich die Erkenntnis, dass die Welt eine Ordnung ist.
Alle Wesen sind ein Teil von ihr, und jeder steht in einer bestimmten Beziehung zu ihr. Das auf solcher Erkenntnis beruhende Handeln verläuft in Harmonie mit der gesamten kosmischen Tätigkeit. Dißharmonie ist Leiden. Fehlerhafte Haltung bringt dißharmonie hervor. Es gibt eine immanente Gerechtigkeit. Manchmal wird dies im Augenblick sichtbar, zu anderen Zeiten nicht. Geburt und Tod sind Schöpfung und Zerstörung von Körpern. Das Weltall kommt und geht.
Es gibt vier Hauptsammlungen brahmanischer Schriften: Shruti (das Gehörte -zur Shruti zählt Veda), Smriti (die Erinnerung), Purana (alte Göttergeschicten), Agama (praktische Schriften bzw. Tantras). Die Agamas bzw. Tantras sind theologische Abhandlungen und alte praktische Schriften zur Verehrung von Vishnu, Shiva und Shakti. Agama (Tantra) umfasst drei Hauptschulen: Vaishnava, Shaiva und Shakta. Die Shakta Agamas oder Shakta Tantras verherrlichen Gott als die Mutter der Welt unter einem der vielen Namen Devis. Shakta ist die Verehrung von Shakti (Kraft), also Gottes in der Gestalt der Mutter als der höchsten Kraft, die alles schafft, erhält und wieder zurücknimmt. Die Lehre der Shakti ist Shakti Vada. Shakti Vada ist eine Form von Advaita (nicht-zweiheit; nondual). Im Grunde sind die Tantras Lehren der Agama.
Tantra bedeutet Vidhi (Einschärfung), Niyama (Verordnung), ganz allgemein Shastra (Abhandlung). Das Wort Tantra wird im Kashika-Vritti von der Wurzel “tan” (sich ausbreiten) abgeleitet mit dem Zusatz “tran”. Govindhananda, Vachaspati und Anandagiri führen dieses Wort auf die Wurzel “tatri” in “tantri” zurück im Sinn von Vyutpadana (Ursprung oder Wissen). Als Ableitung von “tan” (ausbreiten), bedeutet “Tantra” jene Schrift, durch Jnana (Erkenntnis) verbreitet wird (tanyata). Die angehängte Silbe “tra” stammt von der Wurzel “retten”. Jene Erkenntnis wird verbreitet, die Erlösung bringt. Es gibt zahlreiche Kashmiri Tantras, Bengali Tantras und Süd-Indische Tantras.
Eine kleine Abhandlung über Tibet Tantra.

Das tibetische Tantra ist zweilfellos eine Entwicklung seines indischen Vorbildes. Tibet hat alle drei Yanas (Fahrzeuge) des ursprünglichen Buddhismus bewahrt: das Hinayana, Mahayana und Vajrayana. Vajrayana, das Diamantfahrzeug, wird als tantrischer Buddhismus oder sogar buddhistisches Tantra bezeichnet und baut auf Mahayana (großes Gefährt) und Hinayana (das kleine Gefährt) auf.
Der ursprüngliche Vajrayana Buddhismus, der im frühen achten Jahrhundert von Indien nach Tibet gelangte, ist in der tibetischen Sprache als Nyingma bekannnt. Jahrhunderte später tauchten neue Zweige des Vajrayana Buddhismus auf, bekannt als Kagyu, Sakya und Gelug.
Die Nyingma Tradition umfaßt drei Hauptlinien, die in neun verschiedene Traditionszweige unterteilt sind: die Vinaya Richtung des Pratimoksha, die Sutra Richtung des Bodhisattva und die Abhidharma Richtung von Prajna, gehören zu der allgemeinen Linie.
Die Geist-zu-Geist Übermittlung der Buddhas, die symbolische Übermittlung der Weisheitshalter und die mündliche Übermittlung der Meister, gehören zu der dzogchen Linie.
Die Richtung der prophetischen Ermächtigung, die Richtung von Ermächtigung und Bestreben und die Richtung, die den Dakinis anvertraut ist, gehören zu der Schatz-Linie. Die wichtigste aller Linien ist die Dzogchen Linie.
Mehr Informationen findet man unter: Texte zur Theorie und Praxis des tantrischen Buddhismus (Externer Link)
Eine kleine Abhandlung über Tao Tantra.

Laotse oder der alte Meister war zwanzig Jahre älter als Konfuzius und soll zwischen 570 und 490 v. Chr. gelebt haben, ein Datum, das im allgemeinen von europäischen Orientalisten für den Tod Buddhas angegeben wird. So würde sein Leben in das sechste Jahrhundert v. Chr. fallen, das eins der wunderbarsten in der Weltgeschichte ist.
Laotse soll den Taote-King geschrieben haben, den grundlegenden Text des Taoismus. Dieser Titel bedeutet Abhandlungen über den Tao und Tei. Tao, den Laotse den Großen nennt, ist im Sanskrit gleichbedeutend mit Brahman, und Tei ist seine Kraft, seine Aktivität oder Shakti. Die Vorgänger des Taoismus waren Chronisten und Astrologen des Tcheou. Zu ihnen gehörte Laotse, der diese Lehre formulierte.
In den Archiven wurde alles registriert, was, dem Taoismus gleich, aus fremden Gegenden kam. Denn – nach Aussagen von Peter Wieger – ist der Taoismus in seinen Hauptzügen eine chinesische Anpassung an die zeitgenössische Lehre der Upanischaden. Die tatsächliche einführung des Taoismus kann nicht bewiesen werden, da es an Unterlagen fehlt, aber nach Ansicht des gelehrten Autors bietet die Tatsache, dass die Lehre nicht chinesisch, in Indien aber weit verbreitet war und plötzlich nach China übergriff, einen fast sicheren Beweis für die Behauptung, dass sie eingeführt wurde.
Die Ähnlichkeit der beiden Lehren ist offensichtlich für jeden, der mit den Upanischaden und der Lehre der Shakti vertraut ist. Der Dualismus der sich offenbarenden Einheit (TAO), der Yin-Yang genannt wird, erscheint zum ersten Mal in einem Text von Konfuzius, einem Zeitgenossen von Laotse, von dem ihn dieser übernommen haben mag. Der gesamte chinesische Monismus stammt von Laotse. Die Patriarchialischen Texte wurden von den großen Vätern des Taoismus Lie-theu und Tchon-tzeu entwickelt.
“Das Wort Yoga kommt von der Wurzel yuj (verbinden). Also Yoga ist der Vorgang, durch den die Gleichheit der beiden Jivatma (individuelles Selbst) und Paramatma (universelle Seele), die tatsächlich immer vorhanden ist, vom Yogi oder dem Yoga-Schüler erfahren wird. Die als notwendig erachteten Erfordernisse für jeden Yoga sind die acht Glieder oder Teile: Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi. “
“Yoga ist also die Methode, durch die man die Denktätigkeit zuerst beherrschen lernt und schließlich zum Stillstand bringt. Dieses kann man durch bestimmte Pranayama in Kundalini yoga erreichen. Vom Advaita- oder nondualistischen Standpunkt aus gibt es keine letztendliche Vereinigung, da jede Vereinigung den Dualismus des göttlichen und menschlichen Geistes voraussetzt. “
“Wenn Chitta (Denktätigkeit) und Prana regungslos geworden sind, tritt das Chit (Bewusstsein) oder Pramatma (universelle Seele) unverhüllt hervor. Das tritt mühelos ein, wenn Körper und Geist in die uranfängliche Shakti (Kraft) absorbiert sind, in die Kraft, aus der sie entsprangen, von der sie manifest gewordene Formen darstellen, in die Kraft dem Bewusstsein. “
“Das Maya-Tantra definiert Yoga als die Ineinssetzung von Jiva und Paramatma. Im Shakta-Tantra bezeichnet also Yoga eher den Weg als das Ziel. Wer Yoga übt, wird Yogi genannt. Nach indischer Vorstellung sind nicht alle für den Yoga geeignet (adhikari), sondern nur sehr wenige. Ganz allgemein gesprochen gibt es vier Yogaformen: Mantrayoga, Hathayoga, Layayoga, Rajayoga”
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